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1. Mai 2012: Prekäre Arbeit, Arbeitslosigkeit und soziale Ungerechtigkeit PDF Drucken E-Mail
MaquiladoraZur Feier des 1. Mai, sehr bedeutungsvolles Datum für die Welt der Arbeit, bekräftigt der Weltbewegung Christlicher Arbeitnehmer (WBCA) seine Solidarität und Gemeinsamkeit mit allen Frauen und Männern, die im Augenblick gravierende Ungerechtigkeiten an ihren Arbeitsplätzen erleiden.
Aktuell sehen sie sich prekären Arbeitsbedingungen, massiver Arbeitslosigkeit, Ausbeutung und Unterdrückung unterworfen als Konsequenzen eines kapitalistischen Modelles in das die neoliberale Wirtschaft die Auffassung von Arbeit verwandelte.

Die ArbeiterInnen, Schöpfer des Reichtums durch ihre Arbeit und Miteigentümer des Gewinnes durch die Produktion, wie es Johannes Paul II in seiner Enzyklika „Laborem Exercem“ erklärt, werden von den Unternehmen lediglich auf der Grundlage des Profites bewertet, den sie erbringen. In Zeiten der Rezession oder der Restrukturierung sind die Arbeitnehmer die ersten die ohne jedes Erbarmen entlassen werden, ohne Rücksichtnahme auf ihre Rechte und unter Missachtung ihrer Würde.



Prekäre Arbeit ist einer der Hauptgründe der Verarmung in welcher heute viele Frauen und Männer, Jugendliche und Erwachsene in den Ländern des Nordens und des Süden leben. Das hat schwerwiegende negative Auswirkungen auf das Leben dieser Personen und ihrer Familien.

Die sehr niedrigen Löhne, der beschleunigte Arbeitsrhythmus, die ungeregelten Arbeitszeiten, die ungezügelte Konkurrenz, die Forderung zur Arbeitsflexibilität, die moralische und sexuelle Belästigung und die Versklavung durch Arbeit, der insbesondere die Migranten ausgesetzt werden, sind charakteristisch für ein System das wir ablehnen müssen. Es ist die Herausforderung für uns unaufhörlich Anklage zu erheben und unsere ständige Verpflichtung sich für die Armen und Schwachen einzusetzen.

Arbeitslosigkeit wird als eine der Foltern dieses neuen Jahrhunderts angesehen und darf nicht wachsen. Die internationale Arbeitsorganisation (ILO) gab kürzlich bekannt, dass 2011 insgesamt 197 Millionen Opfer der weltweiten Arbeitslosigkeit wurden. Man schätzt, dass in 2012 diese Zahl 200 Millionen erreichen wird. In Europa, in Ländern wie Spanien, Griechenland und Portugal, wo die Arbeitslosenquote riesig ist, verstärkt sich das substantielle Wachstum der Neuen Armen. Um ein Beispiel zu geben: 50% der jugendlichen Spanier sind ohne Arbeit, die gesamte Arbeitslosigkeit in diesem Land beträgt ca. 30%. Diese Situation führt dazu, dass die Politiker die Legalisierung und Integration der Migranten einschränken und verhängen Arbeitsmarktreformen welche Entlassungen ermöglichen, verbilligen die Arbeit und beschränken die Rechte derjenigen, die das Glück haben Arbeit zu besitzen.

Wir leben in einer globalisierten Welt, wo immer wieder Wellen der Solidarität zwischen den Völkern auftreten, sei es in Situationen des Krieges, von Hungerkatastrophen, sei es um Bewegungen im arabischen Frühling zu helfen, oder sei es die Anzeige der Sklavenarbeit von Migranten, wie es vor kurzem in einigen Konfektionsfabriken Brasiliens, Töchter einer internationalen Marke, geschehen ist. Auf Grund dieser Anzeige überprüfte die brasilianische Justiz die Zustände und machte dieser Marke zur Auflage den Nationalen Pakt zur Abschaffung der Sklaverei in Brasilien zu unterschreiben und die immigrierten Arbeiter zu entschädigen um auf diese Weise den legalen Handel dieses Landes zu stärken.

Es ist uns bewusst, dass die Arbeit die Grundlage des Wirtschafts- und Sozialsystems in allen Ländern und in allen Kulturen sein muss; dann unterstützt sie die Zusammenarbeit zwischen dem Bürger und der Gesellschaft und muss die wirtschaftliche Unabhängigkeit, von dem der sie ausführt, garantieren. Wir sind davon überzeugt, dass die Arbeit Quelle der Würde, des Wertes und der sozialen Anerkennung ist. Sie erlaubt die Bürgerrechte wahrzunehmen, sie ist ein Faktor zur Eingliederung und sozialen Verpflichtung und die integrale Bedingung in einer solidarisch organisierten Gesellschaft in der jeder Einzelne teil hat am Ganzen. Es geschieht durch die Arbeit (Landwirtschaft, verarbeitende Industrie und die verschiedenen Dienstleistungen), dass, in gleich welchem Teil des Planeten, die Frauen und Männer ihre Lebensqualität und die ihrer Familien gewährleisten.

Deshalb bekräftigen die Christlichen Arbeitnehmerbewegungen, Mitglieder der WBCA, gestützt auf das Evangelium und die Sozialdoktrin der Kirche, dass Frau und Mann von Gott geschaffene Wesen sind. Sie schlecht zu behandeln, sie durch das Gesetz des Stärkeren zu unterjochen und sie an einem würdigen Leben zu hindern verstößt gegen die Schöpfung. Die Leistung der Arbeiter ungerecht zu bezahlen, sie zu zwingen ihre Region oder ihr Land zu verlassen um zu überleben, mehr als eine Erwerbsarbeitsstelle zu haben um das Einkommen aufzubessern um überleben zu können, alle Auflagen, aus Furcht seine Arbeit zu verlieren, akzeptieren zu müssen, ist eine Perversion der Menschenwürde.

Die menschliche Arbeit muss die Entwicklung aller Bereiche des Lebens erlauben. In jedem Arbeitsvertrag muss berücksichtigt werden, dass der Arbeiter nicht nur produktiv sein muss, sondern dass er auch über freie Zeit für seine Familie, für das soziale, politische, kulturelle und geistliche Leben verfügen muss.

Mit den schwachen, mutlosen, demoralisierten Arbeiterinnen und Arbeitern möchten wir ein Netz der Solidarität schaffen, das die Ungerechtigkeiten anklagt und die Frohe Botschaft der Auferstehung verkündet. Wir wünschen, dass dieses Vorhaben eine neue Mentalität hervorbringt und eine neue menschliche Kultur für eine gerechtere Welt und gerechtere Verteilung des Reichtums, eine solidarischere und würdigere Welt.

Generalsekretariat der WBCA

 

 
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